Samoa

11. - 14. Juli 2014 Apia

Nach einem kurzweiligen dreistündigen Flug sind wir endlich wieder in der Wärme angekommen. Wohlige angenehme 25 Grad und polynesische Musik, gespielt von einer kleinen Band, begrüssen uns am Flughafen wo wir mit einem Shuttelservice  einen guten Deal aushandeln konnten um in unsere Unterkunft gefahren zu werden.

Schon auf der 45-minütigen Fahrt fielen uns die speziellen Häuser der Samoaner auf. Denn diese besitzen weder Türen noch Wände und bilden einen einzigen grossen Raum wo die Familien zusammen schlafen und Zeit verbringen. Man kann so jedem sprichwörtlich ins "Schlafzimmer" blicken. So konnten wir beim Vorbeifahren den Leuten beim Bingospielen, anscheinend sehr populär hier, beim Fernsehschauen oder beim Essen zusehen. Echt speziell, aber anscheinend halten die Samoaner ihre alte Kultur noch sehr aufrecht und versuchen diese auch zu erhalten. Die Männer hier tragen hauptsächlich noch Röcke, sogenannte Sarongs oder hierzulande auch Lavalava genannt. In unserer Unterkunft angekommen bekamen wir schon einmal einen kleinen Eindruck von der unglaublichen Gastfreundschaft der Einheimischen. Es wurde erst einmal Kaffee und Tee aufgetischt und dann wurden wir regelrecht ausgefragt, wo wir denn herkommen, was wir arbeiten, wie lange wir in Samoa bleiben usw.

 

Obwohl es bereits Mitternacht war... Übermüdet legten wir uns in das erste richtige Bett seit neun Wochen und schliefen sofort ein. Der Ausblick am nächsten Morgen von der Terrasse verschlug uns den Atem. Die Lodge liegt auf einem Hügel im Regenwald, umgeben von üppiger Vegetation mit einer unglaublichen Fülle an Vögeln und einer Aussicht auf Apia, der Hauptstadt, und das angrenzende Korallenriff. Sogar die hier heimischen Flughunde, sehen aus wie Fledermäuse und haben eine Spannweite von fast einem Meter, konnten wir hier beobachten wie sie hier ihre Runden drehen und sich an einem nahegelegenen Baum niederlassen. Sogar einen kleinen eigenen Wasserfall wo man baden kann bietet die Lodge, eingebettet in Bananen-und Kakaobäumen, Kaffeebüschen und unzähligen anderen einheimischen Pflanzen. Die Dave Parker Eco Lodge, tönt zwar exklusiv, war aber bei weitem die günstigste Option für uns und ein richtiger Geheimtipp in Apia.

 

Wir bezahlten hier knappe 32 Tala, umgerechnet 12.- CHF pro. Person. Sogar ein Gratistransport morgens und abends in die Stadt wurde angeboten wo wir am lebhaften Markt für 2 Tala (ca. 0.80 CHF) frühstückten. Diese Preise machten wieder richtig Freude und wir probierten die verschieden Esswaren aus die hier im Angebot waren. Da die Samoaner sehr religiös sind, ist ihnen der Sonntag heilig, es ist der Tag der Ruhe. Kaum etwas ist geöffnet und Busse fahren nur spärlich. Man geht morgens in die Kirche und isst dann zusammen die im Erdofen, sogenannten Umu, die gegarten Speisen. Zu unserem Glück durften wir dabei zusehen wie die Angestellten der Lodge einen traditionellen Umu vorbereiteten. Als erstes wird ein grosses Feuer gemacht, in welches dann eine grosse Menge Lavasteine gegeben wird bis diese glühend heiss sind. Während dem werden Tarowurzeln, Yams, Brotfrucht, grüne Bananen und das Fleisch vorbereitet.

 

 

Dazu das traditionelle Gericht Palusami, dabei werden junge Taroblätter übereinander gelegt, Kokosmilch mit gehackten Zwiebeln und ein wenig Salz darauf gegeben und dann zusammengefaltet und mit Aluminiumfolie umwickelt. Alles zusammen schichtet man dann auf die heissen Steine und bedeckt das Ganze dann dick mit riesigen Taro-und Bananenblättern bis eine grosse Kuppel entsteht. Das Ganze lässt man etwa eine Stunde garen bis man dann die Kuppel abdecken kann und die Speisen in frisch geflochtene Körbe schichtet. Wir durften uns regelrecht satt essen an den Köstlichkeiten. Taro und Brotfrucht gleicht im Geschmack und Konsistenz der Kartoffel wobei Yams eher wie Kastanie schmeckt. Das Palusami ist eine Klasse für sich. Unglaublich lecker, wir könnten uns nur von dem ernähren hier! Dieses Rezept werden wir sicherlich irgendwann nachstellen. Zwar nicht mit Taroblättern aber Spinatblätter passen sicher auch. :)

14.- 18. Juli 2014 Saleapaga

Nach drei Nächten in der Lodge bei Apia machten wir uns auf zum Busterminal um den Bus auf die andere Seite der Insel zu erwischen. Als wir dort ankamen, dachten wir, wir seien nach Nicaragua zurückversetzt... Zum Bersten vollgestopfte bunt bemalte Busse aus denen ohrenbetäubende Musik hämmert. Nur schon die Fahrt an sich war ein Erlebnis und hatte es in sich. Wir verbrachten tatsächlich volle 5 Stunden im Bus, nur um die Insel zu überqueren. Davon 2 im Terminal bis er endlich los fuhr. 10min später stoppte er und alle stiegen aus um im Supermarkt einzukaufen. Die Busse sind so voll hier, dass man einander auf den Schoss nimmt. Auch Erwachsene Personen. Ich kam in das Vergnügen einen ziemlich schweren Jungen bei mir aufzunehmen. Am Anfang war der Junge noch ganz schüchtern und dann aber hat er es sich richtig bequem gemacht. Nach knappen 2 Stunden Fahrt spürte ich meine Beine kaum noch und war froh endlich den Bus zu verlassen. Das nächste Mal werde ich auch meinen Schoss den kleinen Kindern anbieten, wie es Sabrina macht. Dort mussten wir aber feststellen, dass die Unterkünfte hier nicht unseren Preisvorstellungen entsprachen und wir so per Anhalter bis ins nächste "Dorf" weiterzogen wo wir eine tolle Unterkunft für einen super Preis bekamen. Die Unterkünfte, sogenannte Beach Fales an sich sind hier in Samoa sehr einfach. Es gibt eine dünne Schaumstoffmatte auf dem Boden und ein Moskitonetz, Strom gibt es meistens nur im Haupthaus wo auch gegessen wird. Dafür stehen die Fales direkt am Strand an bester Lage! Drei Malzeiten sind meistens auch in der Übernachtung enthalten, welche meistens unglaublich lecker und üppig sind und das alles für einen Preis von unter 20 CHF.

18.- 23. Juli 2014 Lano

Im Fao Fao verbrachten wir 4 Nächte bevor wir auf die Nachbarinsel Savai´i wechselten. Noch anzumerken ist, dass der Küstenabschnitt um Lalomanu 2009 von einem Tsunami schwer getroffen wurde wobei mehr als 200 Menschen ums Leben kamen. Einige Fales wurden wieder aufgebaut, aber ein grosser Teil der Familien siedelte um ins Landesinnere wo sie ein neues Dorf aufbauten mit Hilfe der Regierung und Hilfsorganisationen wie auch von Verwandten aus dem Ausland. Da ein Forscher in Geographischer Soziologie sich hier im Hotel aufhielt, der sich mit den Leuten unterhielt um der Regierung dann mitzuteilen wo noch Verbesserungspotenzial vorhanden sei, konnten wir viel von ihm über das Land und den ganzen Pazifik erfahren. Bevölkerung, Geschichte und Politik. Unglaublich interessant! Ihm konnten wir dann auch unsere in Neuseeland geschenkten Zahncreme und Bürsten zum Verteilen mitgeben.

 Eine Stunde Fahrt mit der Fähre wagten wir es wieder in den öffentlichen Bus, wobei die Fahrt diesmal erträglicher war und stiegen nach ca. 30min Fahrt bei einer uns empfohlenen Unterkunft aus. Hier ist es üblich bei längeren Aufenthalten einen Rabatt auf den Übernachtungspreis anzubieten, die Besitzerin hier war aber ziemlich hartnäckig und erklärte uns es seien ja Essen und so auch in dem Preis enthalten. Am Ende gab sie dann nach und gab uns einen kleinen Nachlass im Preis. Als wir dann zum Abendessen gerufen wurden bekamen wir ein wenig ein schlechtes Gewissen. Der Tisch war nur für uns zwei, anscheinend die einzigen Gäste, gefüllt mit verschiedensten Spezialitäten. Die verschiedenen unglaublich leckeren Speisen konnten wir zu zweit unmöglich vertilgen. Hier waren wir an der richtigen Adresse. Wir lieben gutes typisches Essen. Wir konnten hier alle möglichen lokalen Spezialitäten ausprobieren, wie das bereits hochgelobte Palusami, Oka, roher Fisch, mariniert mit Limettensaft und Kokosmilch und Gemüse und diverse andere Leckereien wie Kuchen und ein riesiges reichhaltiges Frühstück.

23.- 28. Juli 2014 Falealupo & Lano

Wir mussten uns richtig zwingen uns nach fünf Tagen los zu reissen um den Rest der Insel zu erkunden mit dem festen Ziel wieder zurückzukommen. Per Bus und Anhalter schafften wir es in vier Stunden an den nördlichsten Zipfel der Insel wo wir abermals überwältigt waren von dem wunderschönen Strand und Umgebung. Der weisse Sandstrand und die schwarzen erloschenen Lavaströme im Kontrast, die grünen Palmen und das türkis schimmernde Wasser. Ein wundervoller Ort. Als wir ein wenig spazieren gingen um die Gegend zu erkunden und an einer Lagune eine Pause machten kam ein Mann eilig auf uns zu und erklärte uns, dass wir ihm 20 Tala bezahlen müssen, umgerechnet 8 CHF. Diese Praxis ist in Samoa Gang und Gäbe, da diverse Sehenswürdigkeiten in Dörfern liegen, die von Familienclans geführt werden. Es wird meistens ein kleiner Betrag als Eintritt verlangt, zb. 5 Tala für einen Wasserfall. Manchmal kommt es aber vor, dass man sogar beim Betreten eines Dorfes, bzw durchlaufen einen "Wegzoll" bezahlen muss, da das ja Privatbesitz sei.

Auch um die meisten Strände zu besuchen muss man meistens einen kleinen Beitrag bezahlen. Die vorhin erwähnten 20 Talas konnten, und wollten wir aber nicht bezahlen, da wir dort tatsächlich nicht damit gerechnet haben und so auch kein Geld dabei hatten. So machte der Mann mit uns eine Ausnahme. Wir hätten auch bezahlt, hätte er darauf bestanden, denn wir geben hier gerne den Einheimischen etwas dafür, dass sie die Plätze und Strände sauber halten. Zusätzlich zu dem kleinen Dorf an der Nordspitze der Insel besuchten wir noch einen wunderschönen Wasserfall mit glasklarem Wasser und die bekannten "Blowholes", wo Meerwasser durch alte Lavatunnels mit unglaublicher Kraft gepresst wird und dadurch riesige Wasserfontänen entstehen, die bis zu 20m hoch sein können. Ein eindrückliches Schauspiel!  Um von dem kleinen Dorf wieder zurück zu unserer letztn Unterkunft zu kommen mussten wir uns komplett auf Autostoppen verlassen, da hier keine Busse fahren. Bzw der einzige um vier Uhr morgens... Zu früh für uns.

Man wartet hier aber nie mehr als fünf Minuten. Denn jedes Auto nimmt einem mit, ausser es ist voll. Und jeder einzelne durchbohrt uns mit hunderten von Fragen. Und sind dann auch sehr stolz, dass wir ihr Land besuchen und es uns hier gefällt. Dabei wurden wir schon mehrere Male hinzugewinkt und zum Essen oder einem Bier eingeladen, nur um ein wenig plaudern zu können. Wieder in Lano rechtzeitig zum Sonntag angekommen, durften wir mit Falesoas Söhnen einen Umu vorbereiten, der hier noch viel traditioneller und ohne Hilfsstoffe als in Apia gemacht wird. Sogar ein ganzes Ferkel kam auf die heissen Steine, da heute ein besonderer Tag war. Der Zweite Geburtstag Falesoas Nichte. Also bereit zur Kirche zu gehen wurde ich aber schnell in die Schranken gewiesen und mir gesagt, dass das in diesem Outfit gar nicht gehe. Kurz darauf kommen die Frauen mit einem "Männerrock", einem LavaLava zurück. Der Tradition gemäss gehen wir nun alle zusammen herausgeputzt in die übervolle Kirche. Wir haben eigentlich brachialen Gospel Gesänge erwartet und wurden ein wenig enttäuscht, da eigentlich nur geredet wurde. Wie Zuhause.

Aber anscheinend gibt es auf der Insel mindestens sieben verschiedene Kirchen, von den Mormonen zu den Evangelisten bis hin zu den Sieben Tages Adventisten. Die Kirchen hier haben einen enormen Einfluss auf die Menschen in Samoa und nehmen einen sehr hohen Stellenwert in der Gesellschaft ein. Wobei für die Familien die Kirche eine enorme Finanzielle Belastung bedeutet. In den meisten Kirchen spenden die Familien Geld, wobei am Ende des Gottesdienstes die Namen der Spender und der Betrag laut vorgelesen wird. So entsteht für manche ein enormer sozialer Druck um nicht geizig zu gelten wenn man zu wenig Geld gibt. So bleibt den Familien am Ende nicht mehr viel Geld und sind auch vielerorts auf ausländische Hilfe von Verwandten angewiesen.

Samoa hat uns richtiggehend positiv überrascht und in den Bann gezogen. Unberührte Natur, eine stark gelebte und gepflegte Tradition, unglaublich nette, offene und warmherzige Menschen und wenig Tourismus. Alle paar Meter rufen uns Kinder "bye bye" zu, die Erwachsenen winken einem mit einem warmen Lächeln zu und begrüssen einen mit einem fröhlichen "Talofa" (Hallo). Die Menschen scheinen hier wirklich glücklich zu sein obwohl sie materiell arm sind, denn niemand muss hier Hungern denn die Insel ist extrem fruchtbar und die Leute arbeiten auch hart dafür! Wir würden sofort wieder hierher kommen und waren traurig dieses Paradies zu verlassen.

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